05.08.2025 | Aktuelles
Tempo 30 in Amsterdam: Das passiert, wenn eine Stadt auf die Bremse tritt
Die Novelle der Straßenverkehrsordnung (StVO) aus dem vergangenen Jahr erleichtert es Städten, innerorts Tempo 30 anzuordnen. Damit wurde ein Teil der Forderungen der Initiative „Lebenswerte Städte“ umgesetzt – ein Bündnis, das von 1.130 Kommunen unterstützt wird.
Je nach örtlicher Situation ist nun eine flächendeckende Einführung von Tempo 30 möglich. Die Umsetzung bleibt jedoch komplex und führt oft zu einem Flickenteppich aus unterschiedlichen Regelungen.
Auch in anderen europäischen Ländern setzen Städte auf niedrigere Geschwindigkeiten, vor allem um die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Nachdem bereits positive Ergebnisse aus Bologna bekannt wurden, liegt nun ein umfassender Evaluationsbericht aus Amsterdam vor. Dort wurde im Dezember 2023 auf einem Großteil des innerstädtischen Hauptstraßennetzes die Höchstgeschwindigkeit von 50 auf 30 km/h gesenkt.
Martin Randelhoff hat in seinem Blog „Zukunft Mobilität“ die wichtigsten Ergebnisse ins Deutsche übersetzt:
- Verkehrssicherheit: Die Zahl der Unfälle im Tempo-30-Netz ist deutlich gesunken – besonders bei Kollisionen mit Fußgänger*innen und Radfahrer*innen. Die Schwere der Unfälle blieb etwa gleich. Auch auf Straßen mit weiterhin erlaubten 50 km/h wird im Schnitt langsamer gefahren – ein Hinweis auf einen Spillover-Effekt.
- Verkehrsfluss und Reisezeiten: Autofahrten dauern im Schnitt nur etwa 30 Sekunden länger pro 30 Kilometer. Bei kurzen Strecken liegt die Verzögerung bei maximal 5 Prozent. Der öffentliche Nahverkehr war weniger betroffen als erwartet – die verlängerten Fahrzeiten für Fahrgäste sind kaum spürbar.
- Lärm und Luftqualität: Der Verkehrslärm sank leicht um etwa 1,5 Dezibel – das liegt zwar unter der Hörbarkeitsgrenze, ist aber im Zusammenspiel mit anderen Maßnahmen relevant. Die Luftqualität blieb stabil, und die CO₂-Emissionen stiegen nicht, entgegen früherer Befürchtungen.
- Soziales Verhalten und Verkehrsmittelwahl: Erste Beobachtungen zeigen, dass sich Menschen im öffentlichen Raum häufiger begegnen und austauschen. Die Zusammensetzung des Verkehrs blieb weitgehend gleich – ein Wechsel zu anderen Verkehrsmitteln ist durch Tempo 30 allein nicht nachweisbar.
- Öffentliche Meinung: Ein Jahr nach der Einführung befürwortet die Mehrheit der Bevölkerung die Maßnahme – besonders Menschen, die nicht mit dem Auto unterwegs sind. Kritik gibt es vor allem an der Umsetzung: Die Beschilderung und Straßengestaltung sorgen teils für Verwirrung.
- Rettungsdienste: Die Einsatzzeiten von Notfallfahrzeugen blieben unverändert. Das zeigt, dass Tempo 30 die Notfallversorgung nicht beeinträchtigt.
Amsterdam reiht sich damit in eine wachsende Zahl europäischer Städte ein, die mit Tempo 30 gute Erfahrungen gemacht haben. Bleibt zu hoffen, dass viele deutsche Kommunen diesem Beispiel folgen.
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